Kanal oder Brücke? Eine Frage der Perspektive - 10.07.2025
Was von oben aussieht wie ein ruhiger Uferweg an einem Kanal, entpuppt sich von unten als imposantes Brückenbauwerk. Die Kanalbrücke Lohgraben am Main-Donau-Kanal führt – als eine von mehreren Trogbrücken – das Wasser über die Straße.
Letzte Woche durften wir dieses Bauwerk im Rahmen der turnusmäßigen Bauwerksprüfung für das Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt Main-Donau nach VV-WSV prüfen. Zwei Fotos sind dabei entstanden – und sie zeigen anschaulich, wie abwechslungsreich und technisch spannend unser Arbeitsalltag sein kann.
Trogbrücken wie diese ermöglichen es, den Main-Donau-Kanal seit den 1970er-Jahren auf gleichbleibender Höhe über Flusstäler, Straßen oder Bahnlinien zu führen – ohne ständigen Auf- und Abstieg mit zusätzlichen Schleusen.
Gerade weil solche Bauwerke im Alltag oft übersehen werden, lohnt sich ein zweiter Blick – von oben wie von unten.
Die Baukosten für den insgesamt 171 Kilometer langen, künstlich angelegten Kanal beliefen sich damals umgerechnet auf rund 2,3 Milliarden Euro. Inflationsbereinigt entspräche das heute Baukosten von etwa 3 bis 4 Milliarden Euro.
Wissen weitergeben & in den Austausch kommen - 07.06.2025
Auch in diesem Jahr wurden wir eingeladen, im Wahlpflichtmodul „Zustandsbewertung von Brücken- und Ingenieurbauwerken“.
des Masterstudiengangs (M. Sc.) Bauingenieurwesen an der FH Potsdam unser Wissen in Theorie und Praxis zu dem Thema „Brückenprüfung – Schadensursachen statisch und konstruktiver Art“ zu teilen.
Wer Brücken prüfen möchte, muss verstehen, wie sie gedacht, berechnet und gebaut wurden – und das gelingt nur, wenn man theoretische Prinzipien auf konkrete Bauwerke anwenden kann. Hier haben wir ein ganzes Portfolio an Praxisbeispielen einfließen lassen können.
Warum ist diese Verbindung so wichtig?
Weil Schäden an Bauwerken selten eindimensional sind.
Hinter Rissen, Verformungen oder Materialveränderungen stecken oft komplexe statische und konstruktive Zusammenhänge. Die Auseinandersetzung mit realen Bauwerken schafft die Möglichkeit, theoretische Prinzipien in ihrer Anwendung zu erleben – und dadurch technische Zusammenhänge besser zu erfassen.
Wir freuen uns mit unserer Praxiserfahrung zur fachlichen Sicherheit beitragen zu können, denn sie ermöglicht, über die reine Erfassung hinauszudenken und fundierte Einschätzungen und Bewertungen zu treffen.
Wir haben uns über die Einladung sehr gefreut und über die interessierten, mitdenkenden Rückmeldungen aus der Runde.
Der Austausch bleibt wertvoll – für beide Seiten.